Galerie für Zeitgenössische Kunst
Karl-Tauchnitz-Straße 9-11
D-04107 Leipzig

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Öffnungszeiten
Di-Fr 14:00-19:00
Sa-So 12:00-18:00
Jeden Mittwoch freier Eintritt.

Beide Ausstellungshäuser sind barrierefrei.

Öffentliche Führungen
Immer samstags und sonntags
13.00 Uhr und 15.00 Uhr

Eintrittspreise
GfZK-1, GfZK-2: 5€/3€
GfZK-1 + GfZK-2: 8€/4€

Architektur

Die Herfurth’sche Villa

Das Gelände der Herfurth’schen Villa war eigentlich mit vier Villen bebaut. Heute ist die Villa umgeben von der Bebauung an der Wächterstraße, u. a. mit der zur Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, von sechzehngeschossigen Punkthochhäusern an der Ferdinand-Rhode-Straße, von Bürgervillen an der Grassistraße und vom Johanna-Park an der Karl-Tauchnitz-Straße. Erhalten sind die diagonal gestellte Herfurth’sche Villa, das Kutscherhaus und einige weitere rückwärtig gelegene Wirtschaftsräume.
Die Herfurth‘sche Villa wurde 1892 vom Geheimen Oberbergrat Prof. Dr. H. Credner beauftragt und von den Architekten Karl Weichardt und Bruno Eelbo entworfen und von 1893 bis 1894 erbaut. Zu Bruno Eelbos Bauten, die er oft in Zusammenarbeit mit Karl Weichardt schuf, zählen insbesondere repräsentative Villen und Verwaltungsgebäude. Mit Weichardt richtete er 1890 in Leipzig ein Architekturbüro ein. Weichardt lehrte als Professor an der Königlichen Kunstakademie und Kunstgewerbeschule Leipzig. Neben kommerziellen Bauten in Deutschland befasste er sich mit der Rekonstruktion von Tempelanlagen, z. B. in Pompeji (1897). Zwischen 1915 bis 1927 kam es zum Um- und Erweiterungsbau durch Edgar Herfurth, der die Anlage von der Familie Credner gekauft hatte.
Bei der dreigeschossigen großbürgerlichen Villa handelt es sich um ein Baudenkmal des Historismus. Bauform und prägende Details stehen in direktem Bezug zu norditalienischen, aber auch zu englischen Vorbildern, wie Katharina Kunath herausarbeitete (Magisterarbeit 2006/2007, Universität Leipzig). Nach 1945 bis 1989/1990 wurde die Villa durch verschiedene medizinische Einrichtungen der Universität Leipzig genutzt und teilweise umgebaut.
Der Bau steht diagonal auf dem Gelände und stellt sich damit außerhalb der Bebauungslinie der bestehenden Villen. Die zentrale, zweietagige Treppenhalle im Erdgeschoss erschloss das erste Obergeschoss, für den Keller und das 2. Obergeschoss gab es zusätzliche Nebentreppen. Eine geplante Aufstockung des großen Speisesaales im Erdgeschoss im 1. Obergeschoss und weitere Baumaßnahmen durch Herfurth wurden jedoch nicht genehmigt.
Der Architekt Peter Kulka baute die Villa von 1996 bis 1998 für die Galerie für Zeitgenössische Kunst stark um und entkernte es teilweise. Die BesucherInnen betreten nun das Gebäude durch eine Treppenanlage an der Nordseite im Erdgeschoss und durchschreiten eine Vielzahl unterschiedlich proportionierter und miteinander in einem Rundgang verbundener Arbeits- und Ausstellungsräume je im Erdgeschoss und in der 1. Etage. In die Halle wurde eine lichtdurchlässige Decke eingezogen, die beiden Ausstellungsetagen zusätzlichen Raum bringt. Der Anbau über dem früheren Speisesaal schafft weiteren Platz und zeichnet im Erdgeschoss die Umrisse einer früheren Arkade nach. Die Haut dieses Kubus wird von Zementfaser- und Glasplatten gebildet, die beinahe detaillos gefügt sind. Das Äußere der Herfurth’schen Villa wurde unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten renoviert.

 

Die GfZK erhielt 2004 ein ca. 1000 qm großes Ausstellungsgebäude, mit dem das Ensemble der GfZK ergänzt wurde. Entstanden ist ein Gebäude, das sich an der Schnittstelle zwischen Museumsarchitektur und spezifischer Ausstellungsarchitektur positioniert. Die Konzeption des Projektes für die GfZK basierte auf der Frage nach der räumlichen Entsprechung einer auf mehreren gleichzeitigen Ebenen angesiedelten Arbeitsform, in der diese unterschiedlichen Arbeitsebenen immer wieder in neue Verbindungen gebracht werden können. In einer engen Zusammenarbeit zwischen der GfZK und as-if berlinwien wurden seit Anfang 2002 die architektonischen Parameter dafür konzipiert und innerhalb des zur Verfügung gestellten Budgets von 2,5 Mio. Euro umgesetzt.

Gebäudedaten: Bruttogeschossfläche: 1000 qm
Planungs- und Bauzeit: 2002 – 2004
Baukosten: 2,5 Mio. – brutto inkl. Nebenkosten
as-if berlinwien: Paul Grundei, Stephanie Kaindl, Christian Teckert
Mitarbeit: Claudia Heger, Michael Montag

Räume des Verhandelns/Negotiating Spaces. as-if berlin wien. Paul Grundei, Stephanie Kaindl, Christian Teckert, Barbara Steiner (Hg.), 2010, Jovis Verlag, Berlin
Entworfen von as-if berlinwien und fertig gestellt 2004, ermöglicht das Gebäude durch die Veränderbarkeit der Innenraum-Konfiguration Dialoge, Konfrontationen und Verhandlungen zwischen kuratorischer und künstlerischer Praxis und dem architektonischen Raum. Das Buch stellt die verschiedenen Formen der Bespielung des Gebäudes, des Reorganisierens der Raumstruktur in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Ausgangspunkt sind die verschiedenen kuratorischen und künstlerischen Nutzungen, die im Zeitraum von fünf Jahren zu sehen waren. Ausstellungskonzepte und Ausstellungen von KuratorInnen und KünstlerInnen werden entlang der Baugeschichte vorgestellt, ergänzt von Aufsätzen, die dem performativen bzw. prozessualen Konzept des architektonischen Raumes nachgehen. Beiträge zu Planung und Konstruktion liefern einen Einblick in den Ablauf des Bauens.
EN/DE

AutorInnen: Arnold Bartetzky, BLESS, Monica Bonvicini, Josef Dabernig, Jan Dinnebier, Angelika Fitz, Paul Grundei, Bernd Hullmann, Stephanie Kaindl, Ilina Koralova, Anita Leisz, Via Lewandowsky, Dorit Margreiter, Anna Meyer, Muntean/Rosenblum, Olaf Nicolai, Julia Schäfer, Tilo Schulz, Manuel Sedeno, Andreas Spiegl, Barbara Steiner, Christian Teckert, Gerd Thieroff, Sofie Thorsen, Jun Yang.

Texte:
GFZK-2 – Agenda und Rahmenbedingungen, Text von AS-IF
>Architektur als Akteur im Prozess der Verhandlung< Arnold Bartetzky (Journalist) im Gespräch mit Barbara Steiner und AS-IF Architekten
Gestaltung des Eingangsbereiches der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK-2) durch die Künstlerinnengruppe BLESS, Text von Barbara Steiner